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Die Entstehung des Tixi Säuliamt

 

Ich arbeitete an einem Samstag Abend Ende November 1987 unter enormer Stresssituation. Da fiel eine Maschine aus und beim Versuch, die Maschine zu reparieren, klemmte ich meinen rechten Arm ein und der Arm wurde hinter der Klemmstelle um 90° abgeknickt. Die Blutzufuhr wurde abgestellt und als Folge davon starben die betroffenen Nervenzellen später ab.

 

Als ich nach kurzer Abweseneit zu mir kam, hörte ich, dass ich laut aufschrie. Mein erster Gedanke war, dass dieser Schrei ebenso gut von einer Katze stammen könnte und darum kaum eine Reaktion hervorrufen würde – also wurde ich ruhig.

 

Dann überlegte ich mir, wie ich aus dieser unangenehmen Situation herausfinden könnte. In einem Industriequartier sind am Samstag Abend kaum Leute anzutreffen und so beschloss ich, nur alle Viertelstunden nach Hilfe zu rufen, um Kräfte zu sparen. Erste Versuche scheiterten: Die Maschine zurüchzuheben – sie war zu schwer. Mit der Maschine, die kleine Räder hatte, das Telefon zu erreichen – eine Tonne Blei stand im Wege.

 

Ich beschaffte mir im erreichbaren Umfeld Hebel und Schrauben. Ich hob den Maschinenteil mm um mm und schob Schrauben quer dazwischen um mit dem Hebel nachgreifen zu können. Als ich nach 2 Stunden genug gehoben hatte, stellte ich erst fest, dass der Arm abgeknickt war. Ich musste den Motor, der dies verursacht, demontieren. Dabei musste ich mit dem linken Arm ebenfalls zwischen der Maschine durchgreifen. Wäre der provisorisch angehobene Maschinenteil nocheinmal zusammengeknickt, wären beide Arme eingeklemmt worden. Stattdessen aber konnte ich beide Arme herausnehmen und der Sanität und dem Arzt telefonieren.  Der rechte Arm war gebrochen und gelähmt.

 

Im Bezirksspital wurde alles menschenmögliche unternommen, um meinen Arm zuretten. Zudem genoss ich dort eine sehr liebenswürdige Betreuung. Nach einem halben Jahr „erwachte“ jeden Tag ein neuer Muskel, innerhalb einem Monat kam die volle Bewegungsmöglichkeit und nach einem weiteren Monat ca. 80% der Kraft. Dies weckte in mir den Wunsch, ebenfalls etwas zu diesem gut funktionierenden Gesundheitswesen beizutragen.

 

Ende Januar 1988, als ich bereits wieder einen Monat mit linker Hand und Füssen arbeitete, besuchte ich einen Freund in Bern. Er war schon fast 20 Jahre Tetraplegiker. Wir speisten zusammen in einem Restaurant und sprachen darüber, wie eine Behinderung gemeistert werden kann. Er konnte mir viele gute Ratschläge geben. Ins Restaurant und zurück fuhren wir mit dem Tixi, wie dies damals in Bern üblich war. Tixi war ein Verein, in dem die Chauffeure gratis arbeiteten und jede Fahrt kostete einen Franken. Dies war meine erste Begegnung mit einem Tixi.

 

Später hörte ich im Radio, dass Tixi Zug Geld sammelt. Ich überlegte dorthin etwas einzuzahlen, fand aber, dass der Kanton Zug genug Geld hat und es sinnvoller wäre, ein Tixi im Säuliamt aufzubauen.

 

Ich kam in Kontakt mit der Rehabilitierungsstation des Kinderspitals in Affoltern und dort wurde mein Vorschlag, ein Tixi aufzubauen, mit Begeisterung aufgenommen. Angestellte des Kinderspitals erklärten mir, wie ein Tixifahrzeug gebaut werden sollte. In den Sommerferien kaufte ich einen 2-jährigen Ford Transit mit 20 000 km und erhöhte das Dach. Im Kanton Bern konnte ich einen Occasionsrollstuhllift in Teile zerlegt kaufen. Ich baute alles zusammen und montierte den Lift an das Fahrzeug. Rollstuhl und Rollstuhlfahrer wurden von voneinander unabhängigen Gurtensystemen gesichert, was eine grösstmögliche Sicherheit bieten sollte.

 

Anfang September wurde das Tixi Säuliamt eröffnet. Am gleichen Wochenende wurde auch der Sportplatz in Affoltern eingeweiht und in Aeugst war Chilbi. Bei der Aeugster Chilbi half ich etwas bei den Vorbereitungen mit und von dort kam dann auch die erste Spende, zu deren Annahme ich mich fast nicht getraute. Die ersten Tixifahrten brachten Bewohner des Kinderspitals an die Sportplatzeinweihung.

 

Ich hatte Mühe, in der Bevölkerung die Möglichkeiten, die das Tixi brachte, bekannt zu machen. Das Rote Kreuz und die Pro Infirmis verweigerten eine Zusammenarbeit. (Mit dem Fahrdienst des Roten Kreuzes entstand allerdings später eine gute und sehr sinnvolle Zusammenarbeit.) Erst nachdem die Gemeindeschwestern vom Tixi Säuliamt erfuhren, meldeten sich Kunden.

 

Ursprünglich beabsichtigte ich, das Tixi Säuliamt allein zu betreiben und Fahrten am Freitag- und Samstagabend innerhalb des Bezirks anzubieten. Das Tixi war vor allem für Freizeitfahrten, also zum Ausgehen am Abend gedacht. Da täuschte ich mich aber sehr. Es schlummerte ein grosser Bedarf für Fahrten zu jeder Tages und Nachtzeit, für Freizeit, Therapie- und andere Fahrten. Aber nicht nur ein grosser Bedarf meldete sich plötzlich, sondern auch ungeahnte grosse Möglichkeiten: Beeindruckt von der Notwendigkeit und den möglichen Leistungen ohne öffentliche Mittel und ohne öffentliche direkte Betteleien wünschten immer mehr Leute, als freiwillige Fahrer mitzuwirken. Unangefragt kamen Spenden aus allen Richtungen.

 

So musste ich meine Vorstellungen übers Tixi radikal ändern. Ich musste einsehen, dass jede Einschränkung und damit auch jede Kontrolle der Grundidee, für Behinderte das öffentliche Transportmittel zu ersetzen, entgegenwirkte. Um nicht in den Teufelskreis von Kontrolle und Missbrauch, in dem die meisten öffentlichen und sozialen Institutionen stecken, zu geraten, musste ich das Tixi öffnen. Ich musste einsehen, dass die Rollstuhlfahrer selbst genug urteilsfähig waren, um mit Vernunft selber die Existenz des Tixi zu sichern und dass jede Bevormundung der Sache schadete. Ich lernte entgegen vieler heutiger Ansichten, dass jeder Mensch von Grund auf vernünftig und vertrauenswürdig wäre und nur durch Einschränkungen, Misstrauen und Kontrolle zum Missbrauch getrieben wird. Natürlich überlegte ich mir aus dieser Erfahrung auch, wie viele Möglichkeiten durch die enormen Kontollaufwände in unserer Gesellschaft vernichtet werden und wie schön unser Lebensraum ohne diese Kontrollmechanismen gestaltet werden könnte. Wichtig war für mich auch, dass diese Erkenntnis aus Erfahrung und nicht aus Theorie entstand.

 

Ich musste die angebotenen Möglichkeiten annehmen und weitergeben. Das Angebot wurde vergrössert:

 

v     Die Distanz der Fahrten wurde nicht mehr eingeschränkt. (Die weitesten Fahrten führten nach Mailand, nach Holland und an die Ostsee.)

v     Der Fahrpreis blieb auf Fr. 2.- pro Rollstuhl und Fahrt, wurde aber Heimbewohnern wegen dem u.U. damit verbundenen bürokratischen Aufwand generell erlassen.

v     Die Fahrten wurden für jede Tages- und Nachtzeit angeboten.

v     Die Fahrten sollten grundsätzlich im Bezirk Affoltern beginnen oder enden. Der Wohnort der Fahrgäste spielte keine Rolle. Letzteres scheint einem gesunden Menschen selbstverständlich, ist es aber leider im Sozialwesen bei weitem nicht. Wenn wichtige Fahrten vom zuständigen Transportdienst nicht ausgeführt wurden, resp. kein Transportdienst zuständig war, wurden Rollstuhlfahrer auch ganz ausserhalb des Bezirks transportiert. Ca. 10% der Anzahl Fahrten.

v     Für Ferienlager mit Rollstuhlfahrern wurden gratis geeignete Fahrzeuge zur Verfügung gestellt.

v     Als Beitrag zur Integration der Behinderten stellten wir ein Billet für das ganze ZVV-Gebiet gratis zur Verfügung und boten einen Begleitdienst mit öffentlichen Verkehrsmitteln an.

v     Wir informierten über regionale Anlässe und Weiterbildungsmöglichkeiten (z.B. VHS) und deren Möglichkeit für Rollstuhlfahrer (Lift, WC usw.) und boten Gratisfahrten an die Anlässe an.

v     Wir versuchten mit Oeffentlichkeitsarbeit Rollstuhlfahrer und Fussgänger einander näherzubringen und sich gegenseitig besser zu verstehen, z.B. an Marktveranstaltungen und gemeinsamen Samariterübungen.

v     Wir setzten uns dafür ein, dass Postautolinien im Bezirk Affoltern rollstuhlgängig geworden wären und boten eine Mithilfe für den Aufbau an. Die PTT zeigte Verständnis dafür und war bereit, vorerst die Linie Hausen – Affoltern rollstuhlgängig zu machen. Leider wurde dies aber der PTT vom ZVV aus verboten weil der ZVV angeblich selber einen Behindertentransportdienst plane. Dieser kantonale „Transportdienst“ oder besser Transportvermittlungs- und Geldschieberdienst mit Namen Pro Mobil wurde damals (1992) auch wirklich geplant und begann im Jahre 2000 nach 10 Planungsjahre auch wirklich wenigstens zu einem kleinen Teil der versprochenen Leistung zu wirken. Jetzt hat er allerdings für 2005 eine starke Reduktion der bereits stark reduzierten Leistung bekanntgegeben. Von einer Gleichberechtigung der Behinderten, wie sie in der Bundesverfassung vorgesehen ist, entfernt sich der angebliche Sozialstaat Schweiz immer mehr.

 

 

 

Wegen der Bauart der Fahrzeuge boten wir die Fahrten für Rollstuhlfahrer an. Wegen einem entsprechenden Bedarf wurden die Fahrten auch geistig Behinderten und Blinden angeboten. Gehbehinderte wurden vom Fahrdienst des Roten Kreuzes gefahren, dessen Fahrzeuge dafür geeigneter waren und mit dem eine gute Zusammenarbeit entstand. Eine gute Zusammenarbeit bestand von Anfang an mit den angrenzenden Tixis Zürich und Zug. Gegenseitig wurden Fahrzeuge zur Verfügung gestellt und Fahrten ausgeführt.

 

Die Fahrzeugflotte vergrösserte sich stetig bis zu 9 Fahrzeugen kurz vor der Enteignung. Die Leistung nahm stetig zu bis auf 165 000 km im letzten Jahr vor der Enteignung. Behinderte halfen gratis bei der Disposition mit. Die Spenden nahmen ohne Bettelaktionen sehr schnell zu und im letzten Jahr vor der Enteignung wurde das Tixi Säuliamt finanziell selbsttragend ohne private finanzielle Unterstützung von mir. Allerdings wurde in den letzten Monaten mit Falschmeldungen in der Zeitung, gegen die ich mich wegen der verfügten Zensur nicht wehren konnte, erreicht, dass die Spenden zurückgingen.

 

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 28. desember 2019